Honorarzonen HOAI: Überblick, Beispiel & Tipps!

Ob Lagerhalle oder Hauptbahnhof – wie komplex ein Bauprojekt ist, bestimmt maßgeblich, welches Honorar ein Planungsbüro dafür erhält. Genau das regeln die Honorarzonen nach HOAI: Sie klassifizieren Projekte nach Schwierigkeitsgrad und Planungsaufwand und bilden damit die Grundlage für eine nachvollziehbare Honorarberechnung. Dieser Artikel erklärt, welche Honorarzonen es gibt, wie sie ermittelt werden – und was Planungsbüros in der Praxis beachten sollten.

HOAI in PROJEKT PRO

Was sind Honorarzonen nach HOAI?

Die Honorarzonen stellen ein zentrales Element in der Honorarordnung für Architekt:innen und Ingenieur:innen (HOAI) dar. Sie sind darauf ausgelegt, die Vergütung für planerische und bauüberwachende Tätigkeiten fair und nachvollziehbar zu gestalten. Durch die Klassifizierung der Projekte nach Schwierigkeitsgrad und Aufwand bieten die Honorarzonen eine transparente Grundlage für die Honorarbemessung, die sowohl den Anforderungen der Auftraggeber:innen als auch den Leistungen der Fachleute gerecht wird. 

Die Honorarzone fließt direkt in die Honorartafel ein und beeinflusst damit zusammen mit den anrechenbaren Kosten, dem Honorarsatz und den Prozentsätzen der Leistungsphasen die endgültige Vergütung. Je höher die Honorarzone, desto höher der Tafelwert – und desto höher das Honorar. Eine falsche Einstufung kann für Planungsbüros deshalb schnell zur Unterdeckung führen. Mehr zu den Grundlagen der HOAI-Berechnung: HOAI Leistungsphasen

Welche Honorarzonen gibt es?

Für die meisten Leistungsbilder, wie beispielsweise die Objektplanung, existieren fünf Honorarzonen. Diese Zonen bewerten die Komplexität und den Anspruch der Planung unterschiedlich, von sehr gering bis sehr hoch. Dadurch können Projekte klar in die entsprechenden Honorarklassen eingeordnet werden, was eine nachvollziehbare Kostenstruktur ermöglicht. Die folgende Tabelle zeigt die verschiedenen Honorarzonen und deren Planungsanforderungen sowie Beispiele für entsprechende Projekte:

HonorarzonePlanungsanforderungBeispiele
Isehr geringCarports, Gartenhäuser
IIgeringLagerhallen, Garagen
IIIdurchschnittlichStadtbibliotheken, Schulen
IVüberdurchschnittlichKirchen, Gerichtsgebäude
Vsehr hochFlughäfen, Hauptbahnhöfe

Je nach Art des Projektes kann die Honorarzone variieren. Bei Projekten mit einer höheren Planungsanforderung und Komplexität, wie zum Beispiel Flughäfen und Hauptbahnhöfe, ist die Honorarzone entsprechend höher. Einfachere Projekte, wie Lagerhallen oder Carports, gehören zu den niedrigeren Honorarzonen.

Gut zu wissen:
Für besondere spezialisierte Bereiche, wie die Technische Ausrüstung, gibt es hingegen nur drei Honorarzonen. Diese Anpassung berücksichtigt die speziellen Anforderungen dieser Projekte und sorgt für eine angemessene Bewertung.

HonorarzonePlanungsanforderung
Igering
IIdurchschnittlich
IIIhoch

Wie werden die Honorarzonen ermittelt?

Um ein Projekt korrekt in die passende Honorarzone einzuordnen, ist eine objektive Bewertung der relevanten Kriterien erforderlich. Ein Beispiel: Ein Architekturbüro soll eine neue Grundschule planen. Als erstes wird geprüft, ob „Schule" in den Objektlisten der HOAI (Anlage 10) aufgeführt ist – das ist der Fall, die Einordnung ergibt Honorarzone III. Ist das Objekt dort nicht eindeutig gelistet, folgt Schritt 2: Die Bewertungsmerkmale des Leistungsbilds Gebäude werden herangezogen. Erst wenn auch das keine eindeutige Zuordnung liefert, kommt die Punktebewertung in Schritt 3 zum Einsatz. Die folgenden Schritte zeigen, wie die Einordnung in die passende Honorarzone erfolgt:

1. Schritt: Nutzung der Objektlisten
Für die Planung von Objekten und Tragwerken stehen spezifische Objektlisten zur Verfügung, die zur Bestimmung der passenden Honorarzone herangezogen werden. Diese Listen sind in den Anlagen 10 bis 15 der HOAI für jedes Leistungsbild aufgeführt und in Gruppen unterteilt, die verschiedene Objekte auflisten und der passenden Honorarzone zuordnen. Die Objektlisten bieten eine schnelle erste Orientierung, bevor aufwendigere Bewertungsverfahren notwendig werden.

2. Schritt: Bewertung anhand von Merkmalen
Falls das Projekt in den Objektlisten nicht aufgeführt ist oder nicht vergleichbar erscheint, sollten die Bewertungsmerkmale der jeweiligen Leistungsbilder herangezogen werden. Dies erfolgt zunächst durch eine grobe Bewertung und, falls nötig, durch eine detaillierte Punktebewertung.

Die HOAI bewertet das Leistungsbild Innenräume anhand folgender Bewertungsmerkmale (§35 Abs. 3 HOAI):

  • Anzahl der Funktionsbereiche
  • Anforderungen an die Lichtgestaltung
  • Anforderungen an die Raumzuordnung und Raumproportion
  • Technische Ausrüstung
  • Farb- und Materialgestaltung
  • Konstruktive Detailgestaltung

3. Schritt: Durchführung einer Punktebewertung
Falls die Einordnung anhand der Planungsanforderungen nicht eindeutig ist und mehrere Honorarzonen infrage kommen, sollte eine Punktebewertung durchgeführt werden. Dabei erhält jedes Bewertungsmerkmal eine Punktzahl, die in Summe die Honorarzone bestimmt. Dieses Verfahren schafft eine belegbare und nachvollziehbare Grundlage – besonders wichtig, wenn später Diskussionen über die Einstufung entstehen. 

Praxishinweis: In der Praxis führt eine zu niedrige Einstufung regelmäßig dazu, dass Planungsbüros ihre Leistung untervergütet erbringen. Eine sorgfältige und dokumentierte Einordnung schon zu Vertragsbeginn schlützt vor späteren Honorarkonflikten.

Warum sind die Honorarzonen wichtig?

Eine faire Vergütung der Leistungen von Architekt:innen und Ingenieur:innen ist entscheidend für erfolgreiche Bauprojekte. Honorarzonen sorgen dabei für gerechte Bezahlung und hohe Qualitätsstandards. Als Bestandteil der HOAI dienen sie als Grundlage für die Berechnung der Vergütung und stellen sicher, dass diese den Anforderungen und dem Aufwand entsprechen.

  • Klarheit und Transparenz
    Die Honorarzonen schaffen Klarheit darüber, wie Honorare für bestimmte Planungsleistungen berechnet werden. Dies sorgt für Transparenz und Fairness zwischen den Projektverantwortlichen.
  • Vermeidung von Konflikten
    Durch die Standardisierung der Honorarsätze lassen sich potenzielle Konflikte zwischen allen Projektverantwortlichen minimieren.
  • Gerechte Honorarbemessung
    Die Differenzierung der Honorarzonen ermöglicht eine genaue und gerechte Honorarbemessung, die den jeweiligen Anforderungen und dem Aufwand der Planungsleistung entspricht.
  • Orientierung und Sicherheit
    Die klare Struktur der Honorarzonen bietet Orientierung und Sicherheit im Abrechnungsprozess.

Seit der HOAI 2021 gelten die Honorarzonen zwar weiterhin, jedoch haben sich die Rahmenbedingungen geändert: Die Honorartafeln dienen nur noch als Orientierungsrahmen – Honorare sind frei vereinbar und bedürfen der Textform. Die Zoneneinstufung bleibt dennoch wichtig, weil sie als Basis für die Kalkulation und als Referenz bei Verhandlungen dient.

Ihre PRO Tipps

  1. Kommunikation mit den Auftraggeber:innen
    Klären Sie frühzeitig mit den Auftraggeber:innen, welche Honorarzone für das Projekt gilt und wie die Vergütung berechnet wird. Eine klare und transparente Kommunikation kann Missverständnisse und Konflikte vermeiden.
  2. Regelmäßige Überprüfung
    Überprüfen Sie regelmäßig, ob die Planungsleistungen den Anforderungen der zugewiesenen Honorarzone entsprechen. Passen Sie die Zuordnung gegebenenfalls an, um eine faire Vergütung sicherzustellen.
  3. Detaillierte Dokumentation
    Stellen Sie sicher, dass alle relevanten Informationen und Details der Planungsleistung dokumentiert sind. Dies erleichtert die Zuordnung zu den entsprechenden Honorarzonen und sorgt für Transparenz.
  4. Nutzung von digitalen Tools
    Verwenden Sie branchenspezifische Softwarelösungen, um die Berechnung und Verwaltung der Honorare zu automatisieren und damit zu erleichtern. Digitale Tools können den Prozess effizienter und genauer gestalten.

     

Fazit

Honorarzonen gemäß der HOAI sind zentral für die faire und transparente Vergütung von Planungs- und Überwachungsleistungen im Bauwesen. Sie ermöglichen eine klare Zuordnung der Honorare, die sich am Schwierigkeitsgrad und Umfang von Bauprojekten orientiert – was sowohl für Architekt:innen und Ingenieur:innen als auch Bauherr:innen die Kalkulation erleichtert und zur Qualitätssicherung beiträgt. Insgesamt fördern die Honorarzonen die Professionalität und Transparenz in der Bau- und Planungsbranche und tragen dazu bei, dass Bauprojekte effizient und kostenbewusst umgesetzt werden.

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FAQ

Für die meisten Leistungsbilder – wie die Objektplanung – gibt es fünf Honorarzonen (I bis V), von sehr geringen bis zu sehr hohen Planungsanforderungen. Für spezialisierte Bereiche wie die Technische Ausrüstung gelten nur drei Honorarzonen.

Die Honorarzone wird zwischen Auftraggeber und Planungsbüro vereinbart, idealerweise schriftlich im Planervertrag. Grundlage sind die Objektlisten der HOAI (Anlagen 10–15) sowie die Bewertungsmerkmale des jeweiligen Leistungsbilds. Bei Uneinigkeit kann eine Punktebewertung nach HOAI durchgeführt werden. Kommt keine Einigung zustande, kann im Streitfall die korrekte Honorarzone durch ein Sachverständigengutachten ermittelt werden. Umso wichtiger ist es, die Einordnung bereits im Planervertrag schriftlich zu fixieren.

Ja, wenn sich der Planungsumfang oder die Komplexität eines Projekts im Laufe der Bearbeitung wesentlich verändert, kann eine Anpassung der Honorarzone vereinbart werden. Das sollte schriftlich dokumentiert und möglichst frühzeitig mit dem Auftraggeber abgestimmt werden.

Die HOAI 2021 hat die Honorarzonen beibehalten, aber den Charakter der gesamten HOAI verändert: Die Honorarsätze – und damit auch die zonenbasierten Ober- und Untergrenzen – gelten seitdem nur noch als Orientierungsrahmen. Abweichende Honorarvereinbarungen sind frei möglich und müssen in Textform getroffen werden. Für die Vertragsgestaltung bedeutet das: Die Honorarzone sollte weiterhin vereinbart werden, weil sie als Kalkulationsbasis dient – auch wenn das tatsächliche Honorar davon abweichen kann. Wer die Zoneneinstufung im Vertrag offenlässt, riskiert spätere Unklarheiten über die Berechnungsgrundlage.

Ja, die Zoneneinstufung kann das Honorar spürbar beeinflussen, da sich die Honorartafelwerte zwischen den Zonen unterscheiden. Eine zu niedrige Einstufung bedeutet für das Planungsbüro eine Untervergütung des tatsächlichen Aufwands. Umso wichtiger ist eine sorgfältige und belegbare Einordnung schon zu Vertragsbeginn.