BIM – Digitale Unterstützung für die Planungs- und Bauphase

Meldung vom



Der Architekturbetrieb ist ein gallisches Dorf, zumindest was die Digitalisierung betrifft. In vielen Bauprojekten dienen immer noch 2D-Planungsansichten als Grundlage für Information und Umsetzung. Doch mit dem Building Information Modelling, kurz BIM, kündigt sich eine Zeitenwende an. Die neue digitale Art, Architekturprojekte zu planen und umzusetzen, ist international bereits im Mainstream angekommen.

  • BIM – Eine Definition
  • Neue Chancen: BIM in der Architektenpraxis
  • Verbreitung in Deutschland und Zukunftsperspektiven


Was ist BIM?



BIM steht kurz für Building Information Modeling und beschreibt eine Methode, bei der mithilfe von Software ein digitales Abbild eines Gebäudes (digitaler Zwilling) erstellt wird. Mit Zusatzinformationen versehen, kann der gesamte Lebenszyklus des Bauwerks von der Planung über Bau bis zur Bewirtschaftung und Rückbau digital abgebildet werden.

Mit BIM ist nicht nur eine dreidimensionale Gebäudedarstellung möglich, sondern eine 5D- oder sogar 7D-Abbildung, da neben der reinen Geometrie Zusatzinformationen integriert werden, zum Beispiel zu Material, Kosten, zur Zeitplanung oder zu Nachhaltigkeitsaspekten.

Durch die digitale Erfassung aller relevanten Daten wird vernetztes und effizientes Arbeiten möglich. Nutzen Unternehmen die Informationen konsequent in jeder Phase des Projekts, ist sichergestellt, dass jedes Gewerk mit konsistenten Daten arbeitet. Die Kommunikation wird vereinfacht und Fehler bei der Wiedereingabe von Informationen werden auf ein Minimum reduziert.

Neue Chancen: BIM in der Architektenpraxis



Die Einführung von BIM in den Planungs- und Bauprozess hat diverse Vorzüge. Im Endergebnis werden durch die digitale Gebäudemodellierung und die vereinfachten Arbeitsprozesse eine höhere Kosteneffizienz, eine bessere Termintreue und eine optimierte Qualität der Bauwerke erreicht.

Entwurfs- und Planungsphase

Architekten, die mit BIM arbeiten, können erste digitale Entwürfe sehr viel schneller und präziser anfertigen als mit bisherigen Tools. Ein paar Klicks genügen und die Software berechnet automatisch Modellvarianten, inklusive veränderter Parameter wie Materialmengen, Kosten- und Terminkalkulation. Alternative Vorschläge lassen sich so mit dem Bauherrn bequem am 3D- bis 7D-Modell diskutieren. Die detaillierte Simulation in dieser frühen Projektphase verhindert, dass es später zu größeren Korrekturen kommt, die kostspielig und aufwändig werden.

Die Software garantiert zudem eine hohe Qualität von technischen Zeichnungen, Grundrissen und Schnitten, weil diese ebenfalls automatisch aus dem Modell abgeleitet werden und damit fehler- und widerspruchsfrei sind.

Über Schnittstellen lässt sich weitere Software an das Modell anschließen, sodass die hinterlegten Daten auch von Gewerken genutzt werden können, zum Beispiel für die Planung und Umsetzung von Beleuchtungen oder Wärmebedarfsanalysen.

Aufwändige manuelle Prüfungen, ob das Projekt alle rechtlichen Anforderungen einhält, entfallen. Das BIM-System überprüft das Modell automatisch auf Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften und Richtlinien.

Ausschreibung und Vergabe

Grundlage für Ausschreibungen sind Leistungsverzeichnisse. Die dafür notwendigen Mengenberechnungen können mit BIM in einem Bruchteil der Zeit und in hoher Genauigkeit erfolgen, sodass Architekturbüros bessere Kostenermittlungen abgeben können.

Auch die Baufirmen profitieren von den detaillierten Modellen, da sie ihren Aufwand besser einschätzen und solide Angebote abgeben können. Das Risiko von Planungsfehlern wird minimiert.

Bauausführung

Wird das BIM-Modell mit Informationen zu Kosten und Zeit verknüpft, kann das System während der Bauausführung als Basis dienen, um den planmäßigen Baufortschritt zu kontrollieren. Stellt die Bauleitung Abweichungen vom Plan fest, kann das Modell angepasst werden, um räumliche Kollisionen zu vermeiden und den weiteren Bauablauf bestmöglich zu organisieren.

Das System vereinfacht zudem das Controlling und die Abrechnung mit Baufirmen, da Material, Mengen und Kosten hinterlegt und Änderungen laufend aktualisiert werden.

Verbreitung in Deutschland und Zukunftsperspektiven



BIM ist kein vorübergehender digitaler Trend, sondern eine Evolutionsstufe in der Architektur. Die vernetzte Modellierung legt den Grundstein für weitergehende digitale Entwicklungen, insbesondere für das automatisierte Bauen.

Die Verwendung von BIM ist international teilweise schon weit fortgeschritten. Deutschland gehört hier zu den Nachzüglern, auch im europäischen Vergleich.
Spitzenreiter in der BIM-Anwendung sind Länder, in denen der Staat bei öffentlichen Aufträgen auf die Nutzung von BIM besteht. Führend sind die USA, Singapur, Finnland, Australien und Großbritannien.

Große Bauunternehmen nutzen zwar auch hierzulande bereits mehrheitlich BIM. Doch der Bausektor besteht zu über 90 Prozent aus kleinen und mittleren Büros, sodass die Verbreitung insgesamt gering ausfällt. 2016 nutzten laut einer Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation nur 11 Prozent der Bauunternehmen BIM. Auch drei Jahre später kam BIM laut einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC (2019) im Mittel nur bei 17% der Bauprojekte in Deutschland zum Einsatz. 48% der befragten Unternehmen hatten noch nie mit BIM gearbeitet. Allerdings gaben 80% der Unternehmen an, das System in Zukunft einführen zu wollen.

Dass die Einführung von BIM in Deutschland lahmt, ist unter anderem dem fragmentierten Bausektor geschuldet. Wenn Architekten das Modell zur Planung nutzen, Zulieferer keine geeignete Software haben, um das Modell für ihre Tätigkeiten zu verwenden, verliert sich der Nutzen. Erst wenn das Modell von allen beteiligten Akteuren verwendet wird, kann es seine Stärken ausspielen.

Die Bundesregierung setzt sich seit einigen Jahren intensiv dafür ein, die Verbreitung von BIM voranzutreiben. Das Bundesverkehrsministerium hat bereits 2015 erklärt, dass BIM-Verwendung für öffentliche Bauvorhaben im Einflussbereich des Ministeriums ab 2020 verpflichtend sein soll. Zudem wurde 2019 der Bau eines nationalen Kompetenzzentrums BIM begonnen, das Anlaufstelle für alle öffentlichen Bauprojekte werden soll.

Noch mögen die Vorteile von BIM für kleinere und mittlere Büros zu gering erscheinen und der Aufwand für die Einarbeitung zu hoch. Doch wer in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben will, kommt um BIM nicht mehr herum. Je später sich Architekten mit dem neuen Konzept vertraut machen, desto schwerer wird es für sie sein, mit tiefgreifenderen digitalen Veränderungen Schritt zu halten.

PROJEKT PRO
Einfach kennen lernen

PROJEKT PRO - einfach kennenlernen in 3 Schritten
Telefon +49 8052 95179-25

Info anfordern
Jetzt Info anfordern!