Wie wird Künstliche Intelligenz das Berufsbild von Architekten und Ingenieuren verändern?

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Werden Architekten in Zukunft überhaupt noch gebraucht? Oder übernehmen schon bald smarte Algorithmen und intelligente Roboter die Planung und Durchführung von Bauprojekten? Wie Künstliche Intelligenz die Branche verändern wird, lässt sich aktuell nicht absehen. Fest steht aber, dass KI nicht nur eine Bedrohung für den Berufsstand darstellt, sondern die Arbeit von Architekten und Ingenieuren bereichern und die Realisierung von Bauprojekten sicherer machen kann.


Die Prognosen sind einhellig: Zahlreiche Jobs werden in Zukunft automatisiert werden. Einer Studie der Universität Oxford zufolge könnten 47% der Jobs in den USA daher schon bald entfallen. Die OECD schätzt, dass zwar nur 14% aller Jobs vollständig von Künstliche Intelligenz (KI) übernommen werden können, jedoch 32% der Berufsbilder sich radikal verändern.

Die Architektur ist eine Branche, die sich durch den technologischen Fortschritt immer wieder grundlegend wandelt. So sind vor einigen Jahrzehnten intuitive CAD-Tools auf den Markt gekommen und haben wenig später BIM den Alltag in Architekturbüros massiv verändert. Die Frage ist nicht, ob Künstliche Intelligenz Einfluss auf den Architektenalltag nehmen wird, sondern nur wie. Die Integration von KI ist ein weiterer Evolutionsschritt in der Geschichte des Berufsbilds.

5 Entwicklungsfelder für Künstliche Intelligenz in der Architektur



Um zu verstehen, warum in der künstlichen Intelligenz ein enormes Potenzial für die Architektur liegt, muss man sich das Wesen der Technologie vor Augen führen:

Mithilfe von Algorithmen können Computer riesige Datenmengen auswerten und Aufgaben erledigen, die sonst nur Menschen übernehmen können. Die Systeme treffen Entscheidungen und lernen aus ihren Erfahrungen. Sie können teilweise Sprache erkennen und verfügen über visuelle Wahrnehmung.

Vor allem von der Fähigkeit der KI, verlässliche Entscheidung auf Basis großer Datenmengen zu treffen, können Architekten in ihren Planungen und Designentwürfen profitieren.

1. Planung

Zu Beginn eines jeden Bauprojekts steht eine umfassende Recherche und die Aufnahme von Kundenanforderungen, wobei diverse Bauvorschriften zu berücksichtigen sind. Die Arbeit ist datenintensiv und damit ein ideales Anwendungsfeld für KI. Über Schnittstellen könnten intelligente Systeme schon bald geeignete Grundrisse vorschlagen, basierend auf Mustern, Regeln und Optimierungen, die sich bei vergangenen Projekten bewährt haben.
Auch in der Ablaufplanung lässt sich KI einsetzen, indem Computer Erfahrungen, zum Beispiel zu Lieferprozessen, Störungen und Wetterbedingungen, auswerten und für das neue Projekt ein möglichst effizientes Vorgehen entwerfen. Dabei lernt das System mit jedem Projekt, bessere Einschätzungen zu treffen.

2. Design

Architekten werden in Zukunft eigene Entwürfe von einer KI in Millisekunden auf Machbarkeit und rechtliche Zulässigkeit prüfen lassen können. Und perspektivisch werden intelligente Systeme womöglich basierend auf Kundendaten wie Alter, Herkunft, Geschlecht sowie weiterer Parameter ganze Designs entwerfen, die nicht nur mit den Bauvorschriften konform sind, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch den Kunden gefallen.
Die Architekten könnten sich auf die ästhetischen und kreativen Aspekte der Baugestaltung fokussieren, könnten KI-Vorschläge verfeinern und ergänzen und über die Eingabe von Parametern beeinflussen. Da die Entwicklung der eigentlichen Entwürfe nun viel schneller geht, bleibt zudem mehr Zeit für die Beratung und die Kommunikation mit den Kunden.

3. Konstruktion

In der eigentlichen Bauphase wird Künstliche Intelligenz, vor allem integriert in Drohnen, eine zentrale Rolle spielen. Unternehmen, die Drohnen einsetzen, werden deutlich schneller arbeiten und günstigere Angebote machen können.
Drohnen könnten schon bald zur Überwachung des Baufortschritts und zur Sammlung von Live-Daten eingesetzt werden. Persönliche Besuche auf Baustellen würden damit weitgehend überflüssig. Stellen die Drohnen Abweichungen vom Soll fest, geben sie Meldung und erst dann prüft ein menschlicher Mitarbeiter die Situation. Perspektivisch werden Drohnen miteinander kommunizieren und die Mehrheit der manuellen Tätigkeiten autonom ausführen. Ihr Vorteil: Sie sind Mitarbeiter, die nicht ermüden und auch in gefährlichen Bedingungen, zum Beispiel beim Bau von Hochhäusern, problemlos eingesetzt werden können.
Müssen Maschinen vor Ort von Menschen bedient werden, hilft KI die Anwendung sicherer zu machen, und physisch fordernde Aufgaben werden in Zukunft wohl nur noch von smarten Robotern durchgeführt.

4. Smart Home

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur das Berufsbild der Architekten, sondern entwickelt sich zum integralen Bestandteil des alltäglichen Lebens. Die Technologie prägt zunehmen die Art und Weise, wie Menschen wohnen.
Architekten sind gefordert, smarte Technologien, harmonisch in die Architektur von Häusern und Wohnungen einzubeziehen und KI so zu integrieren, dass sie Menschen in ihrem Alltag dezent unterstützt werden, ohne das Design zu stören.

5. Smart Cities

Die Städteplanung der Zukunft könnte sich durch Künstlicher Intelligenz von der heutigen Herangehensweise grundlegend unterscheiden. Wenn Algorithmen Vorschläge ausarbeiten, wo Parkanlagen für das genehmigte Budget am besten platziert werden, um die Umweltbedingungen möglichst förderlich zu beeinflussen. Statt unzähliger Möglichkeiten hätten Entscheidung eine überschaubare Anzahl von bezahlbaren Optionen.
Smarte Systeme könnten zudem den Verkehrsfluss auswerten und Verbesserungen der Straßenführung vorschlagen, die klimatisch ideale Positionierung von Gebäuden aufzeigen oder angeben, wie begrenzter Bauplatz am besten ausgenutzt wird.
Dabei würden sich die Systeme an spezifischen Parametern orientieren, die die Planer vorab definieren. Mit den Daten gefüttert könnten Computer ganze Städte innerhalb von wenigen Minuten aus dem Nichts entwerfen.

KI: Konkurrent oder Partner?



In näherer Zukunft ist nicht davon auszugehen, dass Architekten massenweise die Arbeitslosigkeit droht. Dafür ist ihre Tätigkeit zu kreativ und noch ist KI nicht in der Lage, das gleiche Niveau in der kreativen Lösungsfindung zu erreichen wie Menschen. Zunächst werden Computer analytische Aufgaben übernehmen. Die Tätigkeit von Architekten wird sich auch dadurch bereits verändern. Sie werden zunehmend mit KI als Partner zusammenarbeiten, um schneller und effizienter zu Ergebnissen zu kommen.

Lernen die intelligenten Systeme kontinuierlich dazu, könnten sie auch immer mehr kreatives Können entwickeln. Sie könnten Wissen und Erfahrung, die Menschen in jahrelanger Ausbildung und Praxis gelernt haben, in Millisekunden abrufen können – das ist ein durchaus realistisches Szenario und würde den Menschen im Architekturprozess tatsächlich weitgehend überflüssig machen.

Laut eines McKinsey Reports wird diese fortgeschrittene Künstliche Intelligenz allerdings erst ungefähr ab 2055 ein integraler Bestandteil unseres Arbeitsalltags sein. Da die Prognose von vielen Unwägbarkeiten abhängt, könnte sich der Wandel aber auch schon Dekaden früher bemerkbar machen.


Beim Bundeskongress des Verbands Deutscher Ingenieure am 07. und 08. November 2019 in Bamberg war das Thema 'Ingenieurbüro 2030' im Fokus. Passend zum Thema fanden viele interessante Vorträge statt. Auch PROJEKT PRO war mit Bauingenieur Roland Mogk unter den Refenrenten und äußerte sich über die Zukunft im Planungsbüro.

Im Video vom VBI finden Sie eine Zusammenfassung der Veranstaltung.

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